Fachkräftemangel: Gleiche Pflichten, weniger Personal
Qualifizierte Fachkräfte im EHS-Bereich werden knapper, gleichzeitig steigen die gesetzlichen Anforderungen. Digitale Lösungen helfen den wachsenden Druck auf vorhandene Fachkräfte zu reduzieren und die Compliance trotz begrenzter Ressourcen sicherzustellen.

Fachkräfte für Arbeitsschutz, Umweltmanagement und Compliance zu finden, wird für viele Unternehmen zunehmend schwieriger. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Nachweise und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Die Folge: Viele EHS-Verantwortliche müssen mit begrenzten Ressourcen immer mehr Aufgaben bewältigen.
Gerade im EHS-Bereich wird der Fachkräftemangel schnell zum operativen Risiko. Bleiben Aufgaben im Arbeitsschutz, Umweltmanagement oder Compliance liegen, hat das oft unmittelbare Auswirkungen auf betriebliche Abläufe und gesetzliche Pflichten. Im Juni 2025 konnten bundesweit 391.608 offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte rechnerisch nicht besetzt werden; die Stellenüberhangsquote lag bei 35 % (KOFA, Fachkräftereport Juni 2025).
Besonders betroffen sind KMU: Auf kleine und mittlere Unternehmen entfielen 71,7 % der nicht besetzbaren Stellen (Juli 2024 bis Juni 2025), also 281.532 fehlende Fachkräfte (KOFA-Studie „Fachkräftemangel in KMU“, 2026).
Die Folgen gehen weit über unbesetzte Stellen hinaus. Laut DIHK erwarten 83 % der Unternehmen negative Auswirkungen durch Arbeits- und Fachkräfteengpässe; 63 % rechnen mit steigenden Arbeitskosten und 55 % mit einer Mehrbelastung der Belegschaft. Fast jedes vierte Unternehmen befürchtet zudem den Verlust betriebsspezifischen Wissens, wenn ältere Mitarbeitende ausscheiden (DIHK-Fachkräftereport 2025/2026).
Was sich regulatorisch verändert
Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2, seit dem 1. Januar 2026 gültig, setzt an mehreren Stellen an. Künftig steht die Ausbildung zur SiFa auch Personen aus Fachrichtungen wie Biologie, Chemie oder Arbeits- und Organisationspsychologie offen. Ein rein technischer oder ingenieurwissenschaftlicher Hintergrund ist damit keine Voraussetzung mehr. Zudem können Betreuungsleistungen nun bis zu einem Drittel auf digitalem Weg erbracht werden, etwa per Videokonferenz, wenn die betrieblichen Gegebenheiten bekannt sind. Für kleinere Betriebe wurde außerdem der Zugang zum vereinfachten Betreuungsmodell ausgeweitet.
Mehr Aufgaben, weniger Ressourcen
Der Fachkräftemangel wirkt sich nicht nur auf die Besetzung offener Stellen aus. Er erhöht auch den Druck auf vorhandene Fachkräfte. Gefährdungsbeurteilungen müssen aktualisiert, Unterweisungen organisiert, Audits begleitet und Nachweise dokumentiert werden. Viele dieser Aufgaben sind gesetzlich erforderlich, verursachen aber einen hohen administrativen Aufwand.
Viele Betriebe haben in den letzten Jahren Wege gefunden, das EHS-Niveau zu halten, auch wenn weniger Spezialistinnen und Spezialisten zur Verfügung stehen. Fachkräfte übernehmen heute häufig breitere Aufgabenprofile. Extern bestellte Beauftragte ermöglichen auch kleineren Betrieben Zugang zu EHS-Expertise, ohne eine Vollzeitstelle vorhalten zu müssen.
Genau hier können digitale Lösungen unterstützen: Systeme, die Rechtsänderungen automatisch erfassen, Dokumentation strukturieren und Workflows für wiederkehrende Aufgaben bereitstellen, schaffen Spielraum. Das gilt besonders für Betriebe, in denen EHS-Verantwortung nicht bei einer dedizierten Vollzeitstelle liegt, sondern auf Führungskräfte verteilt oder an externe Beauftragte ausgelagert ist. Fachpersonal lässt sich dadurch zwar nicht ersetzen, aber vorhandene Ressourcen können gezielter eingesetzt und administrative Aufgaben reduziert werden.
Fazit
Mehr Fachkräfte wird es kurzfristig nicht geben. Umso wichtiger ist die Frage, wie Unternehmen mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten. Wer EHS-Aufgaben strukturiert organisiert und digitale Unterstützung sinnvoll nutzt, schafft Freiräume im Alltag und reduziert unnötigen Aufwand. Nicht als Ersatz für Fachkräfte, sondern als Möglichkeit, ihre Zeit dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schafft.